Proprietary Automated Market Makers (PropAMMs) stellen ein hybrides Handelsmodell dar, das passive On-Chain-Pools mit Off-Chain-Request-for-Quotes (RFQs) kombiniert. Sie verlagern Handelsvolumen von intransparenten Off-Chain-Marktplätzen zurück auf die Blockchain, erzeugen jedoch neue Zielkonflikte rund um MEV, Zensurresistenz und Zentralisierungsrisiken bei Block-Buildern. Dieser Artikel fasst die wichtigsten empirischen Befunde, die ökonomische Theorie und die technischen Limitationen beider Ökosysteme zusammen.
Was sind Proprietary Automated Market Makers (PropAMMs)?
Ein PropAMM ist ein Smart-Contract, der die klassische AMM-Schnittstelle implementiert, jedoch über eine parametrische Preiskurve verfügt, deren Parameter sekündlich durch einen professionellen Market Maker via On-Chain-Transaktionen an externe Börsenkurse angepasst werden. Im Gegensatz zu Uniswap v3, das passive Liquidität in festen Preisintervallen bereitstellt, aktualisiert ein PropAMM seine Preisparameter in Echtzeit, um Arbitrage-Verluste zu minimieren.
- On-Chain-Komposabilität bleibt erhalten.
- Preis-Updates erfolgen durch günstige Oracle-Transaktionen.
- Markt-Maker können aktiv auf Preis-abweichungen reagieren.
Warum PropAMMs für Solana und Ethereum relevant sind
PropAMMs verschieben Handelsvolumen von intransparenten Off-Chain-Marktplätzen zurück auf die Blockchain und stärken damit die Transparenz. Gleichzeitig entstehen Zielkonflikte:
- MEV-Risiken: Builder können Updates zensieren und anschließend zu eigenen Gunsten handeln.
- Zensurresistenz: EIP-7805 (FOCIL) garantiert Inklusion, aber nicht die Reihenfolge von Transaktionen.
- Zentralisierungsrisiken: Auf Ethereum dominieren Builder wie Titan und Quasar, die über 50 % des Block-Marktanteils besitzen (2026, Quelle S3).
Empirische Dimensionierung des PropAMM-Phänomens auf Solana
Analysen zeigen, dass PropAMMs innerhalb kurzer Zeit zu dominanten Liquiditätsquellen auf Solana geworden sind.
- Marktanteil am wöchentlichen Solana-Spot-DEX-Volumen: 15 % bis 27 % (2026, DWF Ventures).
- Bei SOL/Stablecoin-Swaps über Jupiter liegt der Anteil teils bei 65 %-90 % (2026, DWF Ventures).
- Spitzen-Tagesvolumen eines einzelnen PropAMMs (HumidiFi): 695 Millionen USD (2025, Quelle S1).
- Netzwerklast durch PropAMM-Oracle-Updates: ca. 175 TPS, etwa 20 % der Non-Vote-Transaktionen auf Solana (2026, Quelle S2).
Diese Daten untermauern, warum Router wie Jupiter PropAMMs bereits als unverzichtbare Liquiditätsquelle betrachten.
Mathematische Fundierung von LVR und adverse Selektion
Die Loss-Versus-Rebalancing (LVR)-Theorie von Milionis et al. (2022) quantifiziert strukturelle Verluste passiver AMMs gegenüber zentralisierten Börsen (CEX). Wichtigste Erkenntnisse:
- Der Anteil des Marktrisikos (Beta) an der Renditevarianz passiver Liquiditätsprovider liegt bei > 99,99 % (2022, Uniswap-V2-ETH/USDC-Pool).
- Verluste entstehen primär durch kontinuierliche Arbitrage an veralteten On-Chain-Preisen, nicht durch reine Kursvolatilität.
Die LVR-Analyse liefert das ökonomische Fundament dafür, dass passive AMMs Marktanteile an aktive Market Maker und PropAMMs verlieren müssen.
Technische Limitationen von EIP-7805 (FOCIL) für deterministische Ausführungsreihenfolge
EIP-7805 etabliert ein 16-Validatoren-Komitee (1-out-of-N-Honesty-Modell) zur Durchsetzung von Transaktionsinklusionen. Allerdings garantiert FOCIL nur die Inklusion, nicht die Position im Block.
- Größe des Inklusionskomitees pro Slot: 16 Validatoren (2024, Quelle S4).
- Fehlende Garantie für Top-of-Block-Reihenfolge bedeutet, dass Builder Market-Maker-Updates nach Arbitrage-Trades platzieren können.
Damit bleibt das Risiko bestehen, dass PropAMMs auf Ethereum nicht die gleiche Zensurresistenz wie auf Solana erreichen.
Erweiterung am Ende von Abschnitt 5
Die praktische Relevanz dieser Diskussion wird durch die empirische Dynamik auf Hochdurchsatzketten unterstrichen. Auf Solana machen PropAMMs Schätzungen zufolge bereits zwischen 15 % und 27 % des täglichen Spot-DEX-Volumens aus, bei liquiden Paaren wie SOL/Stablecoins über Aggregatoren teils über 65 % (DWF Ventures 2026; Blockworks 2025). Allerdings offenbart dieser Erfolg auch systemische Externalitäten: Allein für die kontinuierliche Aktualisierung der Preiskurven erzeugen PropAMM-Betreiber rund 175 Transaktionen pro Sekunde, was etwa einem Fünftel des Non-Vote-Durchsatzes des Netzwerks entspricht (Warren 2026).
Für Ethereum verdeutlicht dies ein architektonisches Dilemma. Während das Proposer-Builder-Separation-Paradigma (PBS) die MEV-Maximierung incentiviert, fehlen bislang Mechanismen, um Market-Maker-Updates atomar vor Swaps zu priorisieren. Die Inklusionsmechanismen wie EIP-7805 sichern zwar die Zensurfreiheit, garantieren jedoch keine deterministische Reihenfolge vor fremden Trades. Deshalb bleiben Ethereum-PropAMMs auf private Builder-Absprachen angewiesen – mit gravierenden Nebenwirkungen für die Dezentralisierung.
Risiken und Gegenmaßnahmen bei PropAMMs
Die wichtigsten Gegenpunkte und Risiken werden nachfolgend zusammengefasst:
- Netzwerk-Spam und Verdrängung regulärer Transaktionen: Hunderte Updates pro Sekunde binden wertvolle Blockspace-Kapazitäten und können Gebührenmärkte verzerren.
- Zentralisierung von Builder-Oligopolen: Auf Ethereum führen bilaterale Vereinbarungen mit marktführenden Buildern (Titan, Quasar) dazu, dass kleinere, zensurresistente Builder strukturell vom lukrativen Order-Flow abgeschnitten werden.
- Quote-Spoofing und asymmetrisches Ausführungsrisiko: Unzureichend regulierte PropAMMs können enge Spreads signalisieren, vor der tatsächlichen Ausführung jedoch Preise spreizen und Nutzer-Slippage maximal ausnutzen.
Einige bereits diskutierte Gegenmaßnahmen:
- Staleness-Guard (Revert-if-stale) in Oracle-Updates, um Zensur- und Reordering-Angriffe zu verhindern.
- Selbst-lernende Routing-Mechanismen (z. B. Jupiter), die underperformende PropAMMs de-priorisieren oder ausschließen.
- Builder-Stake- und Slashing-Modelle, die Fehlverhalten bei der Order-Inklusion bestrafen (vgl. vorgeschlagene Signatur-basierten Updates).
FAQ zu PropAMMs
Was unterscheidet ein PropAMM grundlegend von Uniswap v3?
Uniswap v3 konzentriert passive Liquidität in Preisintervallen, die selten dynamisch angepasst werden. Ein PropAMM nutzt eine parametrisierte Kurve, deren Parameter sekündlich durch einen professionellen Market Maker via On-Chain-Transaktionen an externe Börsenkurse angeglichen werden.
Warum lösen Inclusion Lists (FOCIL) das Problem auf Ethereum nicht vollständig?
FOCIL zwingt Builder lediglich dazu, bestimmte Transaktionen überhaupt in den Block aufzunehmen, schreibt aber nicht deren Position vor. Ein Builder kann das Preisupdate des Market Makers ans Ende des Blocks setzen und zuvor einen Arbitrage-Trade gegen den veralteten Preis ausführen.
Wie schützen Router wie Jupiter Nutzer vor manipulativen PropAMM-Preisen?
Aggregatoren überwachen kontinuierlich die tatsächliche Ausführungsqualität im Verhältnis zum gerouteten Angebot (“Markout”). Weicht der tatsächliche Ausführungspreis systematisch ab, wird der jeweilige PropAMM-Anbieter im Routing-Algorithmus depriorisiert oder ausgeschlossen.
Fazit
PropAMMs haben auf Solana bereits einen bedeutenden Anteil am DEX-Handelsvolumen erobert, getrieben durch extrem günstige und häufige Oracle-Updates. Die empirischen Daten (15 %-27 % Marktanteil, bis zu 90 % bei SOL/Stablecoin-Swaps, 175 TPS Netzwerklast) belegen, dass sie für Router wie Jupiter unverzichtbar geworden sind. Auf Ethereum stehen PropAMMs hingegen vor strukturellen Herausforderungen: das PBS-Modell begünstigt Builder-Zentralisierung, und EIP-7805 (FOCIL) gewährleistet nur Inklusion, nicht Reihenfolge. Ohne zusätzliche Mechanismen wie deterministische Application-Controlled Execution (ACE) oder Staleness-Guards bleibt das Risiko von MEV-Ausbeutung und Zensur bestehen.
Die Kombination aus ökonomischer LVR-Theorie, harten Marktdaten und technischen Analysen zeigt, dass PropAMMs das Potenzial haben, Handelsvolumen zurück auf die Blockchain zu bringen – vorausgesetzt, die genannten Zielkonflikte werden adressiert. Weitere Forschung und Protokoll-Upgrades sind notwendig, um die Vorteile von PropAMMs zu realisieren, ohne die Dezentralisierung und Zensurresistenz zu gefährden.