Mit dem Glamsterdam-Upgrade führt Ethereum Block-Level Access Lists (BALs) ein, die eine deterministische Parallelisierung von Transaktionen ermöglichen. Gleichzeitig verlangt EIP-7999 eine multidimensionale Gebührenstruktur, die Ausführungs-, Daten- und Zustandskosten eng koppelt. Die korrekte Bepreisung dieser Datenströme ist entscheidend für die angestrebte Skalierung des Layer-1-Netzwerks und für die Stabilität der Gebühren.
Glamsterdam-Upgrade und die Einführung von BALs
EIP-7928 definiert BALs als explizite Vorab-Deklaration von Speicherzugriffen. Dadurch können Nodes Transaktionen parallel validieren und das Block-Gaslimit von rund 60 Mio. auf bis zu 200 Mio. Gas erhöhen (Zielwert 200.000.000 Gas bis 2026). Der Upgrade ist Teil eines umfassenden Pfads, zu dem auch Enshrined Proposer-Builder Separation (EIP-7732) und das ePBS-Konzept (EIP-7732) gehören. Die physische BAL-Payload beträgt im Schnitt 134.111 Byte pro Block (RLP-kodiert), was etwa 0,134 kB entspricht.
Multidimensionaler Gebührenmarkt nach EIP-7999
EIP-7999 separiert Daten-, Ausführungs- und Zustandsgebühren in eigenständige Basistarife. Daten-Gas wird mit 16 Data Gas pro Byte abgerechnet. BAL-Bytes werden dabei dem Daten-Resource zugeordnet, obwohl sie als Nebenprodukt von Execution- und State-Aktivität entstehen. Runtime-BAL besitzt keine eigenständige Nachfragekurve; 88,6 % der BAL-Bytes resultieren aus nicht-zustandserzeugenden Zugriffen.
Messung und Ankerwerte
- Runtime-BAL-Meter-Anker: 119.944 Byte pro Block (≈ 1,919 Mio. Data Gas).
- Statische Transaktionsdaten (EIP-8131): 2,13 Mio. Data Gas pro Block (Multiplikator 1,807 gegenüber EIP-7623).
- Gesamtes Data-Gas-Volumen pro Block (historischer Anker): 4,05 Mio. Data Gas, wovon BAL 47,4 % (1,92 Mio.) ausmacht.
Bündelbepreisung (Bundle Pricing) und ihre Effekte
Die Bündelbepreisung integriert den BAL-Kostenanteil in die Preise von Execution- und State-Aktivitäten. Ein Anstieg der Data-Base-Fe reduziert daher nicht nur die statische Datennachfrage, sondern auch die parent-Aktivität, was die generierte BAL-Last weiter dämpft.
- Reduktion der Gesamtdatennachfrage bei 1 Gwei Data-Base-Fee: -4,1 %.
- Reduktion bei 5 Gwei: -12,8 % (Runtime-BAL fällt von 1,92 Mio. auf ca. 1,58 Mio. Data Gas).
- Bei 20 Gwei: -23,5 %.
Die Effekte sind nahe dem Ankerwert gering (-0,24 %), werden aber bei höheren Gebühren signifikant.
State-Repricing durch EIP-8037
EIP-8037 erhöht die Kosten für Zustandserzeugung um das 5,66-fache gegenüber dem regulären Ausführung-Multiplikator von 1,54. Diese Diskrepanz erklärt die unterschiedlichen BAL-Intensitäten:
- Data-Gas pro historischer Execution-Einheit: 0,046 (Data Gas/EIP-Execution-Gas).
- Data-Gas pro historischer State-Einheit: 0,0074 (Data Gas/EIP-State-Gas).
Die höheren State-Kosten führen zu einem geringeren Anteil von BAL-Bytes, die auf Zustandserzeugung zurückgehen (anteilig 11,4 %).
Aufteilung der Runtime-BAL-Bytes
Die 6.000-Block-Analyse teilt die Runtime-BAL-Bytes in drei Komponenten:
- State-Only (direkt zu State-Creation): 11,394 % (81,997 Mio. Byte).
- Co-produced Access in State-Creating Transactions: 37,879 % (272,603 Mio. Byte).
- Non-State Execution (keine State-Creation): 50,727 % (365,066 Mio. Byte).
Die Summe beträgt 719,666 Mio. Byte (100 %).
Risiken und Gegenargumente
- Diskrepanz zwischen Runtime-Zähler und physischer Payload: Der Runtime-Zähler misst keine Block-weite Deduplizierung und ignoriert RLP-Framing, sodass das bepreiste Gas etwa 90 % der tatsächlichen P2P-Bandbreitenlast ausmacht. Diese Abweichung erschwert präzise Kalibrierungen des Data-Gas-Limits.
- Cross-Resource-Feedback und Wallet-Komplexität: Die Kopplung von BAL-Daten an Execution- und State-Kosten kann zu Preisschocks führen, die Smart-Contract-Interaktionen verteuern und komplexe Gas-Estimations-Logiken in Wallets nötig machen.
Häufige Fragen (FAQ)
- Warum unterscheidet sich die physische BAL-Größe vom EIP-8279 Runtime-Zähler? Der Runtime-Zähler erfasst Zugriffe pro Transaktion ohne Block-weite Deduplizierung und ohne RLP-Metadaten. In der Praxis macht er etwa 90 % der physischen RLP-Payload aus.
- Was bedeutet ‚induzierte Last‘ bei Runtime-BALs? Nutzer fordern BAL-Bytes nicht aktiv an; die Bytes entstehen mechanisch als Protokoll-Nebenprodukt, sobald Transaktionen Speicher lesen, schreiben oder Verträge anlegen.
- Welche Rolle spielt EIP-8131 bei der Gesamtdatenberechnung? EIP-8131 vereinheitlicht statische Transaktionsinhalte (Calldata, Access-Lists, Authorization-Tuples, Blob-Hashes) unter einer gemeinsamen Daten-Gas-Abrechnung.
Zusammenfassung und Ausblick
Die ökonomische Modellierung von BALs zeigt, dass deren Datenlast primär ein Nebenprodukt von Execution- und State-Aktivität ist und keine eigenständige Nachfragekurve besitzt. Durch die Bündelbepreisung im Rahmen von EIP-7999 wird die Data-Base-Fee zu einem wirksamen Hebel, der sowohl statische Daten als auch runtime-BAL reduziert. Gleichzeitig sorgt EIP-8037 für eine starke Entkopplung der Zustandserzeugung, wodurch die BAL-Intensität pro State-Gas deutlich sinkt. Die kombinierten Mechanismen unterstützen das übergeordnete Ziel des Glamsterdam-Hard-Forks: das Block-Gaslimit auf bis zu 200 Mio. Gas zu heben und gleichzeitig die Netzwerk-Bandbreite (physische BAL-Payload ~134 kB) im zulässigen Daten-Gas-Budget zu halten. Die vorliegenden Messwerte, Intensitäten und Elastitäten bilden die Grundlage für künftige Gleichgewichts-Berechnungen, in denen Execution-, Data- und State-Base-Fees simultan gelöst werden müssen, um die angestrebte Skalierbarkeit und Gebühren-Stabilität von Ethereum Layer 1 zu erreichen.