Architektur, Ausführungsdynamik und ökonomische Auswirkungen von Proprietary AMMs (PropAMMs) auf Ethereum im Vergleich zu High-Throughput-Chains

8. Oktober 2026 Kryptowährungen
Ein leuchtender Netzwerk-Switch mit blauen LEDs steht neben einem silbernen Zahnrad auf einem Plexiglas-Podest und einem

Proprietary Automated Market Makers (PropAMMs) verändern das traditionelle DeFi-Trading grundlegend: Statt passiver Liquiditätsbereitstellung setzen institutionelle Market Maker aktiv Preisanpassungen off-chain vor und aktualisieren ihre On-Chain-Quotes in Echtzeit. Dieser Paradigmenwechsel senkt die Slippage für Endnutzer, erhöht die Renditen von Validatoren durch veränderte MEV-Muster und schafft gleichzeitig neue Zentralisierungs- und Zensurrisiken auf der Builder-Ebene.

Was sind PropAMMs und warum sie jetzt relevant sind

Ein klassischer AMM wie Uniswap v3 verwendet deterministische On-Chain-Kurven und passive Pool-Liquidität, die bei Preisänderungen von Arbitrageuren korrigiert wird. Ein PropAMM hingegen wird von einem einzelnen Market Maker betrieben, der über ein eigenes Inventar verfügt und Preise aktiv Off-Chain berechnet. Die Updates werden kontinuierlich on-chain veröffentlicht, sodass der Maker sofort auf Marktbewegungen reagieren kann.

Der Durchbruch auf Ethereum ist erst durch das 12-Sekunden-Slot-Design und die damit verbundenen hohen Gas-Kosten möglich geworden. Erst jetzt können Builder-seitige Garantien wie Maker Priority (ein Update wird immer vor dem zugehörigen Take inkludiert) und Maker Freshness (ein Take muss mindestens 50 ms älter sein als das letzte Quote-Update) die nötige Latenz- und Prioritäts-Sicherheit bieten.

Architektonische Grundlagen und das Latenz-Problem

Strukturelle Herausforderungen auf Ethereum

  • Blockzeit von 12 s führt zu hohen Risiken, dass Preise zwischen Maker-Updates stark driften.
  • Keine kontinuierliche Blockproduktion – Transaktionen werden in diskreten Slots gebündelt.
  • Kein native Prioritäts-Fee-Ordering; statt dessen entscheidet der Builder über die Reihenfolge.

Wie Solana das Problem löst

  • 400 ms Slots, unterteilt in 50 ms Batches, die über Jito versteigert werden.
  • Transaktionen werden primär nach Fee-per-Compute-Unit sortiert, sodass Maker-Updates mit geringem Compute-Kostenanteil höhere Gebühren zahlen können, um Vorrang zu erhalten.
  • Hohe Bandbreite und niedrige Grundgebühren erlauben Millionen von Updates pro Tag.

Titan-Implementation für Ethereum

  • Maker Priority: Jeder Take wird erst nach einem Maker-Update ausgeführt.
  • Maker Freshness: Takes sind nur gültig, wenn sie mindestens 50 ms älter als das letzte Update sind (Titan Builder-Dokumentation, 2026).
  • Conditional Inclusion: Ein Maker-Update wird nur dann on-chain geschrieben, wenn ein zugehöriger Take im selben Block vorhanden ist – ein Pay-per-Use-Modell, das die Durchsatz-Kosten reduziert.

Empirische Rentabilität und Schlüsselkennzahlen

Neuere Arbeiten (Solmaz, Heimbach & Milionis, 2026) zeigen, dass PropAMMs das grundlegende Problem des Loss-Versus-Rebalancing (LVR) wirksam eliminieren. Zwei Sekunden nach einem Trade erwirtschaften PropAMMs positive Spreads, während passive AMMs Verluste einstecken.

Metric Wert (bps) Chain / Jahr Hinweis
Post-Trade-Marge (PropAMM) 0.37 Solana, 2026 Gewinn 2 s nach Ausführung (SOL/USDC)
Post-Trade-Marge (Passiver AMM) -0.22 Solana, 2026 Verlust 2 s nach Ausführung (Toxic Flow)
Post-Trade-Marge (PropAMM) 1.19 Base L2, 2026 Gewinn 2 s nach Ausführung (ETH/USDC)
Retail-Gebührenbelastung 0.26 vs. 2.59 Solana, 2026 PropAMM vs. klassischer DEX
Titan Builder Maker Freshness Window 50 ms, 2026 Konfigurierbarer Zeitpuffer

Bezüglich des Marktanteils zeigen on-chain Daten, dass PropAMMs bereits 5-10 % des Swap-Volumens auf Ethereum und über 40 % auf Solana ausmachen.

Volumen-Übersicht

Chain Venue Volumen (Sept 14-20 2026)
Ethereum Uniswap 6.0 B USD
Ethereum Fermi (PropAMM) 280.17 M USD
Ethereum Metric (PropAMM) 177.89 M USD
Solana Pump (DEX) 3.3 B USD
Solana Raydium (DEX) 2.2 B USD
Solana Meteora (DEX) 1.4 B USD
Solana Orca (DEX) 1.6 B USD
Solana BisonFi (PropAMM) 2.8 B USD
Solana HumidiFi (PropAMM) 1.8 B USD
Solana Tessera V (PropAMM) 1.0 B USD
Solana Gesamt DEX 8.5 B USD
Solana Gesamt PropAMM 5.6 B USD

Auswirkungen auf MEV, Builder-Einnahmen und Dezentralisierung

Durch die Migration von Handelsvolumen zu PropAMMs sinkt das LVR-bedingte Arbitrage-Volumen. Das reduziert die MEV-Erlöse für Proposer, weil weniger Arbitrage zwischen zentralen Börsen und on-chain Pools möglich ist. Gleichzeitig steigt die Bedeutung von Block-Builder-Gebühren, da PropAMMs über volumenbasierte Gebühren an die Builder zahlen.

Allerdings entstehen neue Risiken:

  • Fragmentierung der Liquidität und Builder-Zensur: Wenn PropAMM-Updates nur über kooperierende Builder ausgeführt werden, können Transaktionen in selbstgebauten Validator-Blöcken stark degradiert werden, was die Neutralität von Ethereum L1 untergräbt.
  • Verlust passiver DeFi-Renditen für Kleinanleger: Klassische AMM-Pools verlieren Retail-Flow an PropAMMs, wodurch nur noch toxischer Flow verbleibt und das LP-Business für Privatanleger unrentabel wird.

Standardisierung via ERC-8324 (Priority Update Registry)

Um die Abhängigkeit von bilateralen Vertrauensvereinbarungen zwischen Market Makern und einzelnen Buildern zu reduzieren, wurde der ERC-8324-Standard entwickelt. Er definiert eine on-chain Registry, die Buildern ermöglicht, Maker-Updates zu verifizieren, ohne eine dedizierte Treuhandbeziehung zu benötigen. Der aktuelle Status (Entwurf / Live-Deployment 2026) signalisiert, dass bereits erste Implementierungen bei Buildern wie Titan, Quasar und BuilderNet integriert werden.

Wohlfahrtsgewinne für Retail-Trader und neue Spoofing-Risiken

Für nicht informierte Retail-Trader bieten PropAMMs deutlich engere Spreads: Auf Solana betragen die Gebühren etwa 0,26 bps gegenüber 2,59 bps bei klassischen DEXes – ein Zehntel der Kosten. Dieser Preisvorteil resultiert daraus, dass Market Maker keine Risikoaufschläge für LVR einpreisen müssen.

Parallel dazu dokumentieren Forschende neue Microstructure-Risiken, insbesondere ein weiches Spoofing, bei dem Quotes bei hoher Volatilität kurzfristig verschlechtert werden, um Marktteilnehmer zu benachteiligen.

FAQ zu PropAMMs

Was unterscheidet ein PropAMM von einem klassischen AMM wie Uniswap v3?Ein klassischer AMM basiert auf deterministischen On-Chain-Kurven mit passiver Pool-Liquidität, die bei Preisänderungen von Arbitrageuren korrigiert wird. Ein PropAMM wird von einem einzelnen Market Maker mit eigenem Inventar betrieben, der die Preise aktiv Off-Chain berechnet und On-Chain kontinuierlich aktualisiert.Warum funktioniert dieses Modell auf Ethereum erst jetzt?Aufgrund der 12-Sekunden-Slots und hoher Gas-Gebühren war aktives Repricing zuvor unwirtschaftlich. Erst Builder-seitige Garantien wie bedingte Transaktionseinschlüsse und künstliche Latenzpuffer (Maker Freshness) machten PropAMMs tragfähig.Was versteht man unter ‚Maker Freshness‘?Ein vom Builder implementierter zeitlicher Puffer (typisch 50 ms): Ein Trade wird erst ausgeführt, wenn er mindestens 50 ms älter ist als das jüngste Quote-Update des Market Makers. Dies verhindert, dass Arbitrageure den Maker mit veralteten Preisen überholen.

Fazit

PropAMMs stellen einen bedeutenden Schritt in Richtung institutionell-geführtes, aktives Market-Making auf L1-Chains dar. Empirische Daten belegen signifikante Profitabilität (z. B. 0,37 bps Realised Edge auf Solana, 1,19 bps auf Base) und erhebliche Wohlfahrtsgewinne für Retail-Trader. Gleichzeitig führen die engen Beziehungen zwischen Market Makern und Block-Buildern zu neuen Zentralisierungs- und Zensur-Risiken, die die Dezentralisierung von Ethereum herausfordern. Die laufende Standardisierung über ERC-8324 und die zunehmende Verbreitung von Builder-Integrationen könnten diese Risiken mindern, während die ökonomischen Effekte – insbesondere die Reduktion von MEV-Erlösen für Proposer – langfristig das gesamte Ökosystem neu ausrichten werden.