Glamsterdam-Upgrade: Warum das Ethereum-Update auf Hoodi verschoben wurde und welche Risiken dahinterstehen

24. Oktober 2026 Kryptowährungen
Ein silberner Industriegaszylinder mit Druckanzeige steht neben einem offenen Server-Rack mit blauen Anzeigen und einem

Das geplante Ethereum-Upgrade “Glamsterdam” wurde auf dem Hoodi-Testnetz verschoben, weil beim neuen Gas-Accounting-Modell von EIP-8037 unvorhergesehene Risiken entdeckt wurden. Die Trennung von State- und Execution-Gas kann dazu führen, dass fehlgeschlagene Transaktionen nicht abbrechen, sondern Sicherheitsroutinen irreversibel ausführen. Dies gefährdet unveränderliche Smart Contracts im Mainnet und verzögert den geplanten Rollout des gesamten Netzwerks.

Warum das Glamsterdam-Upgrade verschoben wurde

Im All Core Devs Execution Call (ACDE #248) am 22. Oktober 2026 entschieden die Ethereum-Core-Entwickler, das Glamsterdam-Hard-Fork vom Hoodi-Zeitplan zu streichen. Der Fork war für den 26. Oktober 2026 um 17:42:48 UTC vorgesehen, zugleich sollte das Gas-Limit von 60 Million auf 200 Million Gas steigen. Beide Maßnahmen wurden gleichzeitig eingefroren, weil das neue State-Gas-Reservoir von EIP-8037 in Kombination mit bestehenden Smart Contracts unklare Rückerstattungsmechanismen erzeugt.

Technische Details von EIP-8037 und EIP-8038

EIP-8037 führt ein separates “State-Gas”-Reservoir ein. Beträge oberhalb von etwa 16 777 216 Gas fließen primär in dieses Reservoir ( TXMAXGASLIMIT Schwellenwert, 2026 ). EIP-8038 passt die Kosten für den Zugriff auf bereits bestehenden State an. Die neuen Kosten pro Operation lauten laut ChainSecurity-Analyse:

  • Neuer Speicher-Slot (cold): von 22 100 Gas auf 110 020 Gas (×5,0)
  • Modifikation vorhandener Slots (warm): von 2 900 Gas auf 10 100 Gas (×3,5)
  • Modifikation vorhandener Slots (cold): von 5 000 Gas auf 12 100 Gas (×2,4)
  • ETH-Wert-Transfer: von 9 000 Gas auf 11 300 Gas (×1,3)
  • Cold-Account-Access: von 2 600 Gas auf 3 000 Gas (×1,2)

Die fast fünffache Erhöhung der Kosten für das Schreiben eines frischen Speicher-Slots soll das langfristige State-Wachstum begrenzen.

Risiko des Gas-Refills bei Reverts

ChainSecurity hat im Oktober 2026 offengelegt, dass bei fehlgeschlagenen Unteraufrufen (“subcalls”) oder bei gelöschten Speicherplätzen das verbrauchte State-Gas nach dem LIFO-Prinzip (Last In, First Out) als Execution-Gas zurückgecreditet wird. Der maximale Rückfluss beträgt 97 920 Gas ( Maximal rückerstattetes Execution Gas bei rückgängig gemachter Slot-Erzeugung, 2026 ).

Dieser Rückfluss kann ausreichen, um zuvor wegen Gas-Mangel abgebrochene Fehler-Handler auszuführen. Dadurch entsteht das Phänomen “Insufficient-Gas-Griefing”: Ein Angreifer liefert absichtlich zu wenig Gas, damit ein Aufruf fehlschlägt; das zurückgeflossene Gas lässt den Vertrag den Fehler als dauerhaft protokolliert interpretieren, sodass Wiederholungsversuche blockiert werden.

Konkrete Betroffenheit und Mainnet-Auswirkungen

ChainSecurity identifizierte mindestens 13 bereits im Mainnet deployte Smart Contracts, bei denen das neue Reservoir-Modell bestehende Weiterleitungslimits umgeht ( Identifizierte betroffene Mainnet-Verträge, 2026 ). Diese Verträge basieren häufig auf festen Stipendien (z. B. 2 300 Gas für transfer / send ) oder on-chain Logik, die den verbleibenden Gas-Rest auswertet. Durch den unerwarteten Gas-Polster kann ein bisher reversibler DeFi-Fehler dauerhaft scheitern und Benutzeransprüche blockieren.

Zielmetriken zur Begrenzung des State-Wachstums

EIP-8037 wurde entwickelt, um das jährliche Datenbank-Wachstum von Ethereum auf maximal 120 GiB pro Jahr zu begrenzen ( Ziel-Zuwachsrate des State, 2026 ). Die Kosten-Per-State-Byte-Formel (CPSB) soll die Speicher-Opcodes verteuern und damit das Wachstum kontrollierbar halten, damit Validatoren keine untragbaren Hardware-Anforderungen erhalten.

Zur Kalibrierung in Testumgebungen wurde ein Zwischen-Block-Gas-Limit von 150 Million Gas definiert, bevor das endgültige Ziel von 200 Million Gas erreicht werden sollte ( Referenz-Block-Gas-Limit in Testumgebungen, 2026 ).

Folgen für das Mainnet und zukünftige Zeitpläne

Ursprünglich war die Mainnet-Aktivierung von Glamsterdam für den Zeitraum 1. bis 8. Dezember 2026 vorgesehen ( Ursprünglich anvisierte Mainnet-Aktivierung, 2026 ). Durch die Verschiebung des Hoodi-Hard-Forks ist die früheste mögliche Aktivierung nun im ersten Quartal 2027.

Die Verzögerung wirkt sich auch auf weitere Kern-Innovation-Features aus, die nicht Teil des aktuellen Risikos sind, darunter:

  • Enshrined Proposer-Builder Separation (EIP-7732)
  • Block-Level Access Lists (EIP-7928)

Beide Features gehören zu den 18 geplanten EIPs für den Oktober 2026 (Ethereum Foundation, 2026-10-16) und werden ebenfalls zurückgestellt, bis das State-Gas-Accounting stabil ist.

Wer muss reagieren?

  • ETH-Halter und Mainnet-Nutzer: Keine unmittelbare Aktion erforderlich, da noch kein Mainnet-Datum feststeht.
  • Hoodi-Node-Operatoren: Müssen Builds verwenden, die den geänderten Zeitplan berücksichtigen (z. B. Lodestar v1.50.1, Besu 26.10.1, Nethermind 2.2.1, Ethrex v30.0.1-rc.2).
  • Wallet- und Contract-Teams: Müssen eventuell Gas-Schätzungen neu durchführen, wenn das Specification-Verfahren geändert wird.

Die nächsten ACDE-Calls werden entscheiden, ob die Risiken durch Implementierungs-Fixes, weitere Contract-Scans oder durch eine mögliche Neuformulierung von EIP-8037 behoben werden können. Alternativen wie EIP-8075 wurden bereits diskutiert, und ein späterer Slot im Upgrade-Plan könnte auf das nächste Upgrade “Hegotá” verschoben werden.

FAQ zu Insufficient-Gas-Griefing

Was versteht man unter “Insufficient Gas Griefing” im Kontext von Glamsterdam?Ein Angreifer ruft eine Funktion mit absichtlich zu wenig Gas auf, sodass eine Teiloperation fehlschlägt. Unter den neuen EIP-8037-Regeln kann ungenutztes State-Gas an den Vertrag zurückfließen, wodurch dieser den Fehler fälschlicherweise als dauerhaft protokolliert und reguläre Wiederholungen blockiert.Wann ist nun mit dem Glamsterdam-Upgrade auf dem Mainnet zu rechnen?Nach der Absage für Hoodi auf ACDE #248 sind die ursprünglichen Dezember-Ziele für 2026 vom Tisch. Da zunächst Spezifikationsänderungen und ein mehrwöchiger Testnet-Vorlauf nötig sind, gilt das erste Quartal 2027 als wahrscheinlichstes Zeitfenster.

Fazit

Die Verschiebung des Glamsterdam-Upgrades auf dem Hoodi-Testnet ist das Ergebnis einer gründlichen Risiko-Analyse rund um das neue Gas-Accounting-Modell von EIP-8037. Durch die Trennung von State- und Execution-Gas können bis zu 97 920 Gas bei Reverts zurückfließen, was die Funktionsweise von Fehler-Handlern verändert und bereits 13 Mainnet-Verträge gefährdet. Gleichzeitig bleibt das Ziel, das jährliche State-Wachstum auf 120 GiB zu begrenzen, unverrückbar, weil es die langfristige Skalierbarkeit des Netzwerks sicherstellen soll. Die Kombination aus technischen und sicherheitsrelevanten Bedenken zwingt das Entwicklerteam, den Start auf das erste Quartal 2027 zu verschieben und weitere Tests sowie mögliche Spezifikations-Anpassungen vorzunehmen. Bis dahin bleiben die Kern-Features wie Enshrined PBS und Block-Level Access Lists ebenfalls zurückgestellt, was die gesamte Roadmap von Ethereum bis Anfang 2027 maßgeblich beeinflusst.