Im Oktober 2026 hat die Starknet-Community in einem Snapshot-Poll mit 93,52 % der gesamten Stimmkraft die Erforschung eines unabhängigen, post-quantum Layer-1-Netzwerks unterstützt. Der Beschluss ist nicht bindend und löst erst eine technische Machbarkeitsstudie aus – ein Whitepaper, das im November 2026 veröffentlicht werden soll. Trotz des deutlichen Mehrheitsvotums fiel der native Token STRK in der darauffolgenden Woche um 41 % und trat damit in eine deutlich rückläufige Kursphase ein.
Ergebnis der Snapshot-Abstimmung
- Gesamt-Stimmkraft: 489,33 Mio. STRK
- Ja-Stimmen: 457,61 Mio. STRK (93,52 % der Stimmkraft)
- Nein-Stimmen: 22,38 Mio. STRK (4,6 %)
- Neutral / mehr Info: 9,33 Mio. STRK (1,9 %)
- Anzahl der abstimmenden Wallets: 3.236 (offizieller Stand 2026)
Der Poll war von 15. bis 22. Oktober 2026 aktiv. Die Ja-Stimme löst lediglich die Genehmigung einer Forschungsphase aus; ein endgültiger Wechsel zu einem eigenständigen Netzwerk erfordert weitere, bindende Governance-Entscheidungen.
November-Whitepaper: Der nächste Test für den L1-Fall
StarkWare und die Starknet Foundation haben angekündigt, ein detailliertes Whitepaper zu veröffentlichen, das die nötige Konsens-Mechanik, Alternativen zur Datenverfügbarkeit und die erforderliche Anzahl an Validatoren eines unabhängigen Starknet-L1 beschreibt. Das Dokument soll Klarheit darüber schaffen, welche technischen und ökonomischen Änderungen ein möglicher Übergang mit sich bringen würde.
Governance-Struktur hinter der Abstimmung
Die tatsächliche Machtverteilung im Vote spiegelt ein weit verbreitetes Muster von Delegation statt direkter Teilhabe wider: Obwohl über 3.200 Adressen an der Abstimmung beteiligt waren, konzentrierte sich 94,1 % der Stimmkraft auf 41 Adressen, die von der Starknet-Foundation delegiert wurden. Unabhängige Stimmen machten lediglich 5,9 % der Gesamtgewichtung aus. Diese Konzentration wird von Kritikern als Hinweis auf eine zentrale Governance-Komponente interpretiert, während Befürworter die Effizienz der zentralen Entscheidungsfindung betonen.
Technische Gründe – Quantenresistenz der STARK-Proofs
STARK-Proofs basieren ausschließlich auf hash-basierten Verfahren. Laut einer Analyse des Zero Knowledge Cryptography Teams aus dem Jahr 2025 weist die Quanten-Resistenz dieser Mechanismen einen Score von 97 % auf – bislang gibt es keine bekannten Schwachstellen gegenüber Quantencomputern. Diese Eigenständigkeit von ECDSA-basierten Signaturen (die von Ethereum verwendet werden) stellt einen zentralen technischen Vorteil dar und ermöglicht es Starknet, bereits 2027 post-quantum bereit zu sein, während Ethereum erst für Ende 2029 plant.
- STARK-Quanten-Resistenz: 97 % (2025)
- Geschätzter Zeitraum bis zu kritischen ECDSA-Schwachstellen: 5-10 Jahre (MIT-Schätzung 2026)
Risiken einer Eigenständigkeit
Mehrere Risiken werden im Zusammenhang mit einem potenziellen Layer-1-Abschied von Ethereum diskutiert:
- Dramatischer Verlust an wirtschaftlicher Absicherung: Als Layer-2 profitiert Starknet derzeit vom 103 Mrd. USD-Sicherheitsnetz von Ethereum. Ein eigenständiges Starknet-L1 würde nur etwa 84-117 Mio. USD an Staking-Kapital besitzen, was das Risiko von Zensur, Reorgs und Kapitalangriffen erhöht.
- Zentralisierte Stimmrechtsverteilung: 41 delegierte Adressen kontrollieren über 94 % der Stimmkraft, wodurch die Abstimmung eher die strategische Ausrichtung der Kernentwickler widerspiegelt als einen breiten Retail-Konsens.
- Brücken- und Liquiditätsrisiken: Trotz geplanter Fortführung bestehender Bridges müssten neue Vertrauensmodelle für Cross-Chain-Assets entwickelt werden, was DeFi-Kapital potenziell abschrecken könnte.
Vergleich der Sicherheitslage: Ethereum vs. Starknet
Die ökonomische Absicherung der beiden Netzwerke unterscheidet sich deutlich:
- Ethereum: 43,7 Mio. ETH (≈ 103 Mrd. USD) im Staking
- Starknet: 1,54 Mrd. gestakte STRK (≈ 84-117 Mio. USD) und 137 aktive Validatoren (2026)
Während Ethereum über ein breites Netzwerk von Validators und ein tiefes Kapitalpolster verfügt, stützt sich ein eigenständiges Starknet-L1 hauptsächlich auf das eigene Staking-Volumen, das im Vergleich um ein Vielfaches kleiner ist.
Historische Verzögerungen bei Ethereum-Upgrades
Ethereum hat in der Vergangenheit häufig seine Zeitpläne verfehlt. Die Analyse von Blockchain Analytics (2025) zeigt, dass die durchschnittliche Verzögerung von Upgrade-Forks bei 2,25 Monaten liegt. Der Merge wurde beispielsweise im Oktober 2022 angekündigt, erfolgte jedoch erst im September 2022. StarkWare nutzt diese Verzögerungen als Argument für eine schnellere Realisierung von Post-Quantum-Sicherheit auf einem unabhängigen Starknet-L1.
- Durchschnittliche Fork-Verzögerung: 2,25 Monate (letzte 5 Forks, 2025)
- Geplanter Ethereum-Merge: Oktober 2022 (tatsächliche Durchführung September 2022)
Marktreaktion auf das Votum
Der STRK-Preis reagierte stark auf die Abstimmung:
- 24-Stunden-Verlust: -11,7 %
- Wöchentlicher Verlust: -41 %
- Aktueller Kurs: ca. 0,0545 USD
- Marktkapitalisierung: rund 414 Mio. USD
Die Kursbewegung fand trotz des überwältigenden Ja-Votums statt, was darauf hindeutet, dass der Markt die Nicht-Bindung des Polls und die damit verbundene Unsicherheit über einen tatsächlichen Netzwerkwechsel berücksichtigt.
FAQ – Häufig gestellte Fragen
Bedeutet das Votum, dass Starknet Ethereum definitiv verlässt?Nein. Der Snapshot-Beschluss autorisiert lediglich die Einrichtung einer Arbeitsgruppe, die die technische Machbarkeit prüft und ein Whitepaper erstellt. Ein tatsächlicher Wechsel erfordert weitere, bindende Abstimmungen.Warum drängt StarkWare so vehement auf Eigenständigkeit?Starknet nutzt bereits quantenresistente, hash-basierte STARK-Proofs und Account Abstraction. Die Abhängigkeit von Ethereums EVM-Architektur und die geplante, aber verspätete Ethereum-Umstellung auf Post-Quantum-Sicherheit (2029) würden das Ziel von Starknet, bis 2027 quantensicher zu sein, gefährden.Was passiert mit den bestehenden STRK-Tokens?Gemäß der Governance-Vorgabe bleibt STRK der native Token des Netzwerks. Es wird kein neuer Token ausgegeben und die bestehenden Bridges zu Ethereum bleiben erhalten.
Fazit
Die Snapshot-Abstimmung von Oktober 2026 zeigt, dass die Starknet-Community bereit ist, die technischen und ökonomischen Implikationen eines unabhängigen, post-quantum Layer-1 zu prüfen. Während die Quanten-Resistenz der STARK-Proofs als klarer technischer Vorteil gilt, wirft die stark zentralisierte Governance-Struktur, die im Vote sichtbar wurde, Fragen zur Dezentralität auf. Zudem stellt die erhebliche Diskrepanz in der wirtschaftlichen Absicherung zwischen Ethereum (≈ 103 Mrd. USD) und einem potenziellen Starknet-L1 (≈ 84-117 Mio. USD) ein zentrales Risiko dar. Die Marktreaktion – ein drastischer Kursrückgang von STRK – verdeutlicht die Unsicherheit, die ein möglicher Übergang mit sich bringt. Das im November zu veröffentlichende Whitepaper wird entscheidend dafür sein, ob die technischen Vorteile die wirtschaftlichen und governance-bezogenen Bedenken überwiegen und welchen Weg Starknet letztlich einschlagen wird.