Marktmikrostruktur und Gebührenmarktdesign für Onchain-Orderbücher und PropAMMs im Spannungsfeld von EIP-1559 und Hochfrequenz-Architekturen

23. September 2026 Kryptowährungen

Aktives Market-Making erfordert heute Millionen von Preis- und Auftragsaktualisierungen pro Tag. Auf Ethereum behindern starre Gasgebühren und die 12-Sekunden-Blockzeit die On-Chain-Liquidität, sodass Handelsvolumina zunehmend zu zentralisierten Börsen (CEX) oder Off-Chain-Derivaten abwandern. Gleichzeitig zeigen neuere Analysen, dass spezialisierte Hochfrequenz-Architekturen wie HyperCore und schnelle L1-Netzwerke wie Solana PropAMMs bereits in großem Umfang einsetzen können. Dieser Artikel beleuchtet die Mikrostruktur von PropAMMs, vergleicht Gebührenmodelle und diskutiert zentrale Risiken.

Solana als empirischer Nachweis: Hoher PropAMM-Anteil durch asymmetrische Rechenkosten

Die Forschungsarbeit von Mike Neuder und Maryam Bahrani (2026) dokumentiert, dass PropAMMs auf Solana rund ein Drittel (33 %) des gesamten dezentralen Handelsvolumens ausmachen. Der entscheidende Faktor ist das asymmetrische Kostenverhältnis zwischen Orakel-Updates und eigentlichen Swaps.

  • Orakel-Updates verbrauchen etwa 100-mal weniger Compute Units als ein Swap (Verhältnis 1 : 100).
  • Durch diese Kostenasymmetrie können Market Maker wie HumidiFi täglich bis zu sechs Millionen Orakel-Update-Transaktionen absetzen.
  • Die niedrigen Kosten ermöglichen es, Preis-Quotes in Echtzeit zu aktualisieren und Stale-Price-Arbitrage zu vermeiden.

Diese Zahlen belegen, dass ein Netzwerk, das Orakel-Updates stark subventioniert, bereits heute marktführende Liquidität erzeugen kann.

Quantitative Kennzahlen (2026)

  • PropAMM-Anteil am DEX-Handelsvolumen auf Solana: 33 % (Quelle S1).
  • Tägliche Orakel-Update-Transaktionen führender Solana-PropAMMs (z. B. HumidiFi): 6 Millionen (Quelle S1).
  • Rechenaufwand-Verhältnis Orakel-Update vs. Trade: 1 : 100 (Quelle S1).

Architektonische Trennung: HyperCore-Matching ohne Gas vs. EIP-1559 auf HyperEVM

Hyperliquid löst das Gebührenproblem durch ein zweischichtiges Modell. Das Central Limit Order Book (CLOB) läuft auf HyperCore, einer Umgebung, in der Order-Platzierungen und Stornierungen komplett gasfrei sind. Gleichzeitig verarbeitet HyperEVM programmierbare Smart-Contracts mit dem üblichen EIP-1559-Gebührenmarkt.

  • Netzwerk-Gasgebühr für Order-Platzierung und -Stornierung auf HyperCore: 0 USD (Quelle S2).
  • Median-Latenz bis zur HyperBFT-Finalität: 0,2 Sekunden, wodurch Reorganisationen praktisch ausgeschlossen sind.
  • Nur reguläre Taker-/Maker-Gebühren fließen an das Protokoll, nicht die Order-Modifikationen.

Durch die Subsekunden-Finalität und die fehlenden Gas-Kosten kann HyperCore die massive Flut an Quote-Updates ohne Stau bewältigen – ein klarer Gegensatz zu Ethereum, wo jede Update-Transaktion die volle Base-Fee tragen muss.

Technische Kennzahlen (2026)

  • Gasgebühr für Orderbuch-Modifikationen auf HyperCore: 0 USD (Quelle S2).
  • Median-Latenz bis zur HyperBFT-Finalität: 0,2 Sekunden (Quelle S2).
  • Ethereum L1 Konsens-Slotzeit: 12 Sekunden (Quelle S3).

Application-Controlled Execution (ACE) und Builder-Risiken auf Ethereum

Auf Ethereum führen die 12-Sekunden-Slots und die Proposer-Builder-Separation (PBS) zu gravierenden LVR-Risiken (Loss-Versus-Rebalancing). Ohne garantierte Top-of-Block-Inklusion können Builder veraltete Quotes gezielt hinter Arbitrage-Flows matchen oder Orakel-Updates komplett zensieren.

  • Builder-Motivation: Durch das Vorziehen älterer Quotes können sie LVR-Arbitrage extrahieren.
  • Fehlende Protokoll-Strafen für verspätete oder zensierte Updates erhöhen das Risiko für Market Maker.
  • ACE-Mechanismen könnten theoretisch Top-of-Block-Garantie bieten, fehlen jedoch bislang im Ethereum-L1-Design.

Risiken im Überblick

  • Zentralisierungsrisiko durch gaslose State-Machines: Kostenfreie Stornierungen und Quote-Updates können die Bandbreite und den State-Belastung der Validatoren stark erhöhen. Systeme wie Hyperliquid setzen dafür kompakte Validator-Sets mit extremen Hardware-Anforderungen ein, was dem dezentralen Ethereums-Ansatz entgegensteht.
  • MEV-Extraktion durch Block-Builder bei verzögerten Quotes: Ohne harte Protokollstrafen können Builder ältere Orakel-Transaktionen bewusst hinter Arbitrage-Trades platzieren und so LVR-Gewinne erzielen.

FAQ – Häufig gestellte Fragen zu PropAMMs und Gebührenmodellen

Was unterscheidet ein PropAMM von einem klassischen AMM wie Uniswap v3?

Klassische AMMs verändern ihren internen Preis ausschließlich durch ausgeführte Swaps (execution-mediated). PropAMMs erlauben Market Makern, Preisparameter aktiv und unabhängig von Nutzer-Trades über hochfrequente Orakel-Updates anzupassen.

Warum eignet sich Ethereums EIP-1559 Base-Fee schlecht für On-chain-Orderbücher?

EIP-1559 bepreist Gas gleichförmig nach Rechenaufwand, unabhängig davon, ob eine Transaktion wirtschaftlichen Endwert schafft oder lediglich ein unverfülltes Limit-Order-Update darstellt. Market Maker werden dadurch bei hoher Netzwerkaktivität unrentabel verdrängt.

Warum reicht ein statischer CEX-Midprice als Orakel für PropAMMs nicht aus?

Ein aggregierter Mittelwert ignoriert lokale Orderbuchtiefen, fragmentierte Börsenliquidität und das individuelle Bestandsrisiko (Inventory Risk) des Market Makers. Zudem erzeugen Latenzen zwischen CEX und On-chain-State sofort toxischen Arbitrage-Flow.

Diskussion: Block-Zeit, Orakel-Latenz und die Zukunft des On-chain-Market-Making

Die praktische Tragfähigkeit von PropAMMs hängt maßgeblich davon ab, wie asymmetrisch ein Netzwerk die Kosten für Orakel-Updates im Vergleich zu Trade-Ausführungen strukturiert. Wie die Analysen von Neuder und Bahrani (2026) verdeutlichen, entfallen auf Solana rund ein Drittel des gesamten Handelsvolumens auf PropAMMs, weil ein Orakel-Update dort etwa 100-mal weniger Compute Units verbraucht als ein Swap. Protokolle wie HumidiFi können täglich bis zu sechs Millionen Orakel-Transaktionen absetzen, um Quotes in Echtzeit nachzuziehen und Arbitrageure abzuwehren. Auf Ethereums Basisschicht existiert ein vergleichbares Kostenprivileg für reine Intent-Updates nicht.

Hyperliquids Zwei-Schichten-Modell aus HyperCore und HyperEVM demonstriert eine fundamentale Alternative zum klassischen EIP-1559-Standard: Auf HyperCore werden Limit-Orders und Stornierungen ohne Gasgebühren in Subsekunden-Finalität verarbeitet, während erst programmierbare Smart-Contract-Interaktionen auf HyperEVM Gas verbrauchen. Für Ethereum bedeutet dies ein strukturelles Dilemma: Solange 12-Sekunden-Slots und starre Base-Fee-Preise Market Maker dazu zwingen, für jede Quote-Korrektur die vollen Ressourcenkosten zu tragen, bleibt das Risiko toxischer Arbitrage (LVR) hoch. Ohne protokollnative Garantien wie ACE oder Builder-Strafen für das Vorziehen veralteter Quotes werden PropAMMs auf L1 gegenüber spezialisierten Rollups oder Alt-L1s kaum wettbewerbsfähig sein.

Fazit

Die vorliegenden Daten zeigen, dass schnelle Netzwerke mit stark subventionierten Orakel-Updates – exemplarisch Solana und Hyperliquids HyperCore – bereits heute signifikante Marktliquidität durch PropAMMs erzeugen. Ethereums aktuelle Gebührenarchitektur (EIP-1559) und lange Blockzeiten behindern vergleichbare Modelle und erzeugen zusätzliche Risiken durch MEV-Extraktion und fehlende Top-of-Block-Garantie. Um On-chain-Orderbücher und PropAMMs auf Ethereum attraktiv zu machen, wären strukturelle Änderungen nötig: flexible Gebühren für Intent-Updates, robuste ACE-Mechanismen und mögliche Builder-Strafen. Ohne solche Anpassungen bleibt das Ethereum-Ökosystem im Vergleich zu spezialisierten Hochfrequenz-Architekturen im Nachteil.