Empirische Analyse von PropAMMs auf Ethereum: Funktionsweise, Wachstum und Markt-Dynamik

1. November 2026 Kryptowährungen
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Proprietary Automated Market Makers (PropAMMs) haben seit ihrem Start im Mai 2026 das Preis- und Arbitrage-Ökosystem von dezentralen Börsen (DEX) grundlegend verändert. Im Gegensatz zu passiven Constant-Function-Market-Makers (CFMMs) wie Uniswap werden die Preise bei PropAMMs von einem einzelnen Market Maker in Echtzeit über Block-Builder in denselben Block geschrieben, in dem die Swaps ausgeführt werden. Diese technische Architektur führt zu einem nahezu verzögerungsfreien Quote-Update, eliminiert adverse Selektion für Taker und verlagert den Verlust-Versus-Rebalancing-Effekt (LVR) von passiven AMMs auf deren stale-Seite. Der folgende Artikel fasst die wichtigsten empirischen Erkenntnisse, Marktvolumendaten und strukturellen Hintergründe zusammen – ausschließlich basierend auf den bereitgestellten Quellen.

Makro-Wachstum und Marktvolumen von Ethereum-PropAMMs

Die rasante Etablierung von PropAMMs auf dem Ethereum-Mainnet folgt unmittelbar auf deren Erfolg auf Hoch-Durchsatz-Chains wie Solana. Analysen von Adam Fuller (2026) zeigen, dass das wöchentliche Handelsvolumen der fünf aktivsten PropAMMs Ende August 2026 einen Spitzenwert von 1,15 Milliarden US-Dollar erreichte. Gleichzeitig entfiel ein signifikanter Teil dieses Volumens – zwischen 25 % und 34 % – auf interne Round-Trip-Arbitrage-Zyklen innerhalb von FermiSwap, wodurch das reine organische Taker-Volumen relativiert wird.

  • Wöchentliches PropAMM-Handelsvolumen (2026): 1,15 Mrd. USD (Spitzenwert Ende August).
  • Interner Round-Trip-Arbitrage-Anteil (2026): 25-34 % des gesamten Volumens.
  • Wöchentliches Routing-Volumen über PropAMM-Router: 97 Mio. USD (2026).
  • Vermeidung von Taker-LVR gegenüber AMM-Pools: 1,85 Basis-Punkte (bp) (2026).

Die 92.627 analysierten Fills aus einem 30-Tage-Fenster (10. Sept.-9. Oct. 2026) setzen dieses Wachstum in Relation zu über 50 Tage-Durchschnitts-Fills pro Venue und untermauern die hohe Liquiditäts- und Volumenentwicklung im gesamten Ökosystem.

Strukturelle LVR-Vermeidung und theoretischer Kontext

Im akademischen Diskurs wird argumentiert, dass PropAMMs die LVR-Lücke schließen, die passive CFMMs strukturell belastet. Während Uniswap-Pools kontinuierlich Wert an Arbitrageure verlieren, weil ihre Kurse erst nach externen Preis-Schocks über Arbitrage-Trades angepasst werden, sichern PropAMMs den Preis mittels Builder-gestützter Quote-Updates, bevor Taker-Flows eintreten. Empirische Daten aus dem arXiv-Paper “Active Liquidity On Chain” (2026) belegen, dass passive AMMs gegenüber CEX-Preisen einen Markout-Verlust von 0,62 bis 2,59 bp aufweisen, während PropAMMs stabil bei -0,45 bp liegen.

  • Markout-Verlust passiver AMMs gegenüber CEX-Preisen: 0,62 – 2,59 bp (2026).
  • Taker-Markouts auf PropAMMs: durchschnittlich -0,45 bp, konstant negativ.

Der LVR-Effekt wird somit vollständig auf die laggigen AMMs kanalisiert, während Taker auf PropAMMs stets zu aktuellen CEX-Kursen handeln.

Standardisierung der Builder-Infrastruktur

Die Same-Block-Quote-Validierung wird technisch über standardisierte Smart-Contracts umgesetzt, die von Projekten wie Flashbots und Titan bereitgestellt werden. Der Contract garantiert, dass ein Maker-Quote nur ausgeführt wird, wenn sein Zeitstempel exakt dem aktuellen Block-Timestamp entspricht. Builder wie Titan und BuilderNet übernehmen zusammen einen Marktanteil von über 70 % (genau 73,6 % laut Stengarl 2026) im PropAMM-Segment. Diese Builder stellen via API sicher, dass State-Updates zwingend vor den Taker-Transaktionen im Block platziert werden.

  • Builder-Marktanteil bei PropAMM-Inklusion (2026): > 70 % (Titan + BuilderNet).
  • Zusammengesetzter Block-Building-Anteil (Titan & BuilderNet): 73,6 % (2026).
  • Smart-Contract-Mechanismus: Revert bei stale Quote, nur Same-Block-Updates zulässig.

Durch diese vertraglich gesicherte Infrastruktur wird die Zertifizierung von Same-Block-Updates zu einer provizierten Garantie, nicht zu einer Messgröße der Maker-Geschwindigkeit.

Arbitrage-Dynamik und Ausführungsqualität

Die Analyse von 92.627 Fills über neun PropAMM-Venues (FermiSwap, El Zorro, Tempest, Metric, bopAMM, Park, Goliath, Kipseli, bopAMM-earlier) liefert folgende zentrale Erkenntnisse:

  • Quotes werden innerhalb desselben Blocks unmittelbar vor Ausführungen platziert.
  • Adverse Selektion ist praktisch nicht nachweisbar – Taker zahlen durchschnittlich -0,45 bp am Fill-Zeitpunkt.
  • Nach dem Fill bewegt sich der Preis über 0 s bis +300 s um weniger als 0,1 bp, d.h. die Markout-Entwicklung bleibt stabil.
  • 78,5 % der Trades folgen einem CEX-Preis-Move von > 0,5 bp in den vorausgegangenen 12 Sekunden – PropAMM-Quotes reagieren im gleichen Block, Uniswap hingegen laggert.
  • Keine Sandwich-Angriffe auf PropAMM-Pools in den untersuchten 30 Tagen; private Order-Flow-Routen verhindern Sandwich-Risiken vollständig.
  • Im Vergleich kostet ein Swap auf Uniswap V3 bei ähnlichen Volumina 5,3 bp (unter $1k) bis 1,6 bp (zwischen $1k-$10k), deutlich höher als die 0,45 bp auf PropAMMs.

Die Daten zeigen, dass Arbitrageure PropAMMs primär als “frische Seite” gegen träge AMMs nutzen. Sie gewinnen dort den Spread, während PropAMMs selbst einen minimalen, aber konstant negativen Markout aufweisen.

Risiken und Gegenmaßnahmen

Trotz der Vorteile gibt es kritische Gegenpunkte, die beachtet werden müssen:

  • Zentralisierung und Zensurpotenzial auf Builder-Ebene: PropAMMs funktionieren nur zuverlässig, wenn Builder wie Titan oder BuilderNet deterministisch Quote-Updates vor Taker-Trades reihen. Ein Ausfall oder eine Zensur würde den Schutz vor Arbitrage gefährden.
  • Versteckte Volumenschleifen durch interne Arbitrage: Ein signifikanter Teil des gemeldeten Volumens entsteht durch algorithmische Ausgleiche innerhalb desselben Makers (25-34 % bei FermiSwap).
  • Erhöhter Sandwich-Druck auf passive AMMs: Da PropAMM-Swaps privat geroutet werden, konzentriert sich MEV-Aktivität auf verbleibende öffentliche Swaps traditioneller AMPs. Bis zu 27 % der Transaktionen > 10 k USD auf Uniswap werden dort gesandwicht.

Um diese Risiken zu mindern, sind Diversifizierung der Builder-Infrastruktur, transparente Reporting-Mechanismen für interne Arbitrage-Zyklen und weiterentwickelte MEV-Schutz-Tools für öffentliche AMMs erforderlich.

Häufig gestellte Fragen (FAQ) zu PropAMMs

Was unterscheidet ein PropAMM grundlegend von einem traditionellen AMM wie Uniswap?

Ein traditioneller AMM berechnet Preise deterministisch über eine mathematische Reserveformel (z. B. x·y = k ), wodurch Preisänderungen erst durch externe Arbitrage-Trades ausgelöst werden. Ein PropAMM lässt das Pricing einem einzelnen Market Maker überlassen, der aktuelle Off-Chain-Kurse via Builder in jeden Block einspielt, bevor Taker-Trades ausgeführt werden.

Warum leiden Taker auf PropAMMs unter keiner spürbaren adversen Selektion?

Da der Maker den Preis im selben Block synchron zu zentralisierten Börsen (CEXs) aktualisiert, handeln Taker gegen stets frische Kurse. Arbitrageure können keine veralteten Kurse auf dem PropAMM ausnutzen, sondern nutzen ihn lediglich als Gegenpart zur Arbitrierung träger AMMs.

Welche Rolle spielt der Smart Contract?

Der Smart Contract erzwingt, dass Swaps nur ausgeführt werden, wenn das hinterlegte Maker-Quote exakt dem aktuellen Block-Timestamp entspricht. Jeder Trade, der gegen ein veraltetes Quote aus einem vorherigen Block matched, schlägt fehl.

Fazit

Die Empirische Analyse belegt, dass PropAMMs auf Ethereum seit ihrem Start 2026 ein explosives Wachstums- und Volumen-Momentum entfalten, gleichzeitig jedoch strukturelle Risiken mit sich bringen. Durch Same-Block-Quote-Updates und die Integration standardisierter Builder-Infrastruktur erzielen Taker auf PropAMMs konstant niedrige Markouts (-0,45 bp) und bleiben vor adverse Selektion geschützt. Der LVR-Effekt, der passive CFMMs belastet, wird vollständig auf deren laggige Seite verlagert, was zu erheblichen Kostenvorteilen führt. Dennoch muss die zentrale Rolle der Builder-Layer und das Auftreten interner Arbitrage-Loops kritisch beobachtet werden, um potenzielle Zensur- und Volumen-Verzerrungen zu vermeiden. In Kombination mit weiterentwickelten MEV-Schutz-Mechanismen können PropAMMs das DeFi-Ökosystem nachhaltig effizienter und sicherer machen.